Afrikanischer Affenbrotbaum
Ein Baum wie aus einer anderen Welt
Mit seinem gewaltigen Stamm und den knorrigen Ästen gehört der Afrikanische Affenbrotbaum (Adansonia digitata) zu den außergewöhnlichsten Bäumen Afrikas. Besonders in der Trockenzeit entsteht sein unverwechselbares Aussehen: Ohne Blätter wirkt seine Krone beinahe so, als würden die Wurzeln eines umgedrehten Baumes in den Himmel ragen. Kein Wunder also, dass sich seit Generationen Geschichten und Überlieferungen um den Baobab ranken.
Doch hinter seiner ungewöhnlichen Erscheinung steckt noch viel mehr. Baobabs können außergewöhnlich alt werden, speichern Wasser in ihren mächtigen Stämmen und öffnen auffällige Blüten, wenn andere Pflanzen längst in der Dunkelheit verschwinden. Grund genug, diesen besonderen Baum etwas genauer kennenzulernen.
Warum sieht der Baobab aus, als stünde er auf dem Kopf?
Während der Trockenzeit wirft der Baobab seine Blätter ab. Dann erinnern seine kräftigen, weit verzweigten Äste tatsächlich an ein Wurzelwerk, das in den Himmel ragt. Dieses ungewöhnliche Aussehen hat zahlreiche Geschichten rund um den Baum entstehen lassen.
Einer Überlieferung zufolge wurde der Baobab verkehrt herum in die Erde gesetzt, sodass seine Wurzeln seitdem zum Himmel zeigen. Botanisch steckt dahinter natürlich keine umgedrehte Pflanze, doch die Geschichte zeigt, wie außergewöhnlich der Baum auf Menschen seit jeher gewirkt hat.
Wie alt wird ein Baobab wirklich?
Um das Alter des Baobabs ranken sich beinahe ebenso viele Geschichten wie um seine ungewöhnliche Gestalt. Immer wieder werden mehrere Tausend Jahre genannt. Tatsächlich ist die Altersbestimmung bei diesen mächtigen Bäumen jedoch schwierig, weshalb Forschende unter anderem auf Radiokarbondatierungen zurückgreifen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dennoch beeindruckende Werte: Für den berühmten Glencoe-Baobab in Südafrika wurde beispielsweise ein Alter von rund 1.800 Jahren ermittelt. Untersuchungen anderer alter Exemplare zeigen ebenfalls, dass Baobabs ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen können.
Wer besucht den Baobab nachts?
Wenn es dunkel wird, beginnt beim Afrikanischen Affenbrotbaum ein besonderes Schauspiel. Seine großen, weißen Blüten öffnen sich nachts und können einen Durchmesser von etwa 20 Zentimetern erreichen. Sie hängen an langen Blütenstielen von den Zweigen herab und sind damit für nächtliche Besucher gut erreichbar.
Zu den Bestäubern zählen unter anderem Fledermäuse und Galagos, kleine nachtaktive Primaten Afrikas. Während viele Menschen bei Bestäubung zuerst an Bienen denken, setzt der Baobab also auch auf ungewöhnliche Helfer der Nacht.
Ein Stamm als riesiger Wasserspeicher
Der mächtige Stamm des Baobabs ist nicht nur für sein ungewöhnliches Aussehen verantwortlich. Sein schwammartiges Holz kann während der Regenzeit große Mengen Wasser aufnehmen. Diese Reserven helfen dem Baum, die ausgeprägten Trockenzeiten seines natürlichen Lebensraums zu überstehen.
Auch Tiere wissen diese Fähigkeit zu nutzen. Elefanten können die Rinde und das weiche Holz von Baobabs aufbrechen, um an die wasserreiche Pflanzenmasse im Stamm zu gelangen.
Ein Baum als Wegweiser
Baobabs waren nicht nur auffällige Bestandteile der Landschaft. Ihre markante Größe und ihre enorme Lebensdauer machten einzelne Bäume zu wichtigen Orientierungspunkten. Historische Berichte beschreiben, dass sich Handelswege teilweise an markanten Baobabs orientierten und einzelne Bäume sogar eigene Namen trugen.
Damit war ein Baobab weit mehr als nur ein Baum am Wegesrand. Über Generationen konnte derselbe Baum Reisenden als weithin sichtbarer Bezugspunkt dienen und so zu einem festen Bestandteil der Landschaft und ihrer Geschichte werden.
Wenn ein Baum zum Raum wird
Der mächtige Stamm eines alten Baobabs kann im Inneren große Hohlräume bilden. Menschen haben solche hohlen Stämme im Laufe der Zeit auf erstaunlich unterschiedliche Weise genutzt. Dokumentiert sind unter anderem Nutzungen als Unterstand, Lagerraum oder Wasserbehälter. Es gibt außerdem Berichte über besonders ungewöhnliche Nutzungen einzelner Baobabs als Aufenthaltsräume.
Der Baobab war damit vielerorts nicht nur Teil der Landschaft. Seine außergewöhnliche Größe führte dazu, dass einzelne Bäume ganz praktisch in das Leben der Menschen einbezogen wurden.