Eine Pflanze, die auf Berührung reagiert

Die Echte Mimose (Mimosa pudica) besitzt eine Fähigkeit, die man bei einer Pflanze kaum erwartet: Wird eines ihrer empfindlichen Blätter berührt, können sich die kleinen Fiederblättchen innerhalb kurzer Zeit zusammenklappen. Bei einem stärkeren Reiz kann sich sogar der gesamte Blattstiel absenken.

Dieses auffällige Verhalten hat die Mimose zu einer der bekanntesten Pflanzen für die Erforschung von Pflanzenbewegungen gemacht. Bereits vor Jahrhunderten beschäftigten sich Wissenschaftler mit der Frage, wie eine Pflanze ohne Muskeln und Nerven so deutlich auf ihre Umgebung reagieren kann.

Wie kann sich eine Pflanze so schnell bewegen?

Hinter der Bewegung stecken keine Muskeln. Entscheidend sind spezielle bewegliche Bereiche an den Blattansätzen, die sogenannten Pulvini. Wird die Pflanze mechanisch gereizt, breiten sich Signale aus und die Wasserverteilung in bestimmten Zellen verändert sich. Dadurch verändert sich deren Innendruck und das Blatt bewegt sich.

Später richten sich die Blätter wieder auf. Die sichtbare Bewegung entsteht also nicht dadurch, dass die Pflanze plötzlich wächst, sondern durch reversible Veränderungen des Wasserdrucks in ihren Zellen.

Schon im 17. Jahrhundert beschäftigte sich der englische Naturforscher Robert Hooke mit den auffälligen Bewegungen der Mimose. Zu dieser Zeit wurde sogar darüber diskutiert, ob Pflanzen möglicherweise Strukturen besitzen könnten, die den Nerven und Geweben von Tieren ähneln.

Warum klappt die Mimose ihre Blätter überhaupt zusammen?

Eine mögliche Funktion dieser schnellen Reaktion ist der Schutz vor Pflanzenfressern. Wird ein Blatt berührt oder erschüttert, kann die Mimose innerhalb kurzer Zeit ihre Gestalt deutlich verändern.

Kleine Tiere könnten durch die plötzliche Bewegung gestört oder vom Blatt befördert werden. Wissenschaftlich wird die schnelle Reaktion deshalb unter anderem als mögliche Verteidigungsstrategie gegenüber Pflanzenfressern interpretiert.

Warum „schläft“ die Mimose nachts?

Die Blätter der Mimose reagieren nicht nur auf Berührungen. Sie zeigen auch sogenannte Schlafbewegungen: Im Tagesverlauf verändert sich ihre Blattstellung, wobei sich die Blätter vor der Dunkelphase schließen und später wieder öffnen können.

Solche Bewegungen werden als Nyktinastie bezeichnet. Die Mimose reagiert damit nicht ausschließlich auf eine Hand, einen Luftzug oder eine Erschütterung, sondern zeigt zusätzlich regelmäßige Blattbewegungen im Zusammenhang mit dem Tag-Nacht-Rhythmus.

Eine kleine Pflanze mit weltweiter Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Mimosa pudica reicht nach heutiger botanischer Einordnung von Mexiko bis in das tropische Amerika. Inzwischen findet man die Art jedoch weit außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat.

Die Mimose wurde in zahlreiche tropische Regionen Afrikas, Asiens und Ozeaniens eingeführt. Dort ist sie keineswegs überall nur eine botanische Kuriosität: Kew weist darauf hin, dass sie in manchen Regionen als problematische invasive Pflanze auftreten kann.

Woher kommt der Name „pudica“?

Der Artname pudica lässt sich sinngemäß mit „schamhaft“ oder „scheu“ verbinden. Das passt auffällig zu einer Pflanze, deren Blätter sich bei einer Berührung scheinbar zurückziehen.

Auch verschiedene gebräuchliche Namen in anderen Sprachen greifen diese Eigenschaft auf. Im Englischen findet man beispielsweise Bezeichnungen wie „sensitive plant“, „touch-me-not plant“ oder „shameful plant“. Die ungewöhnliche Bewegung hat also nicht nur die Wissenschaft beschäftigt, sondern auch die Namensgebung der Pflanze geprägt.